Silvester im Erzgebirge - Geschichtlich betrachtet

Die Erzgebirger waren trotz des Erzreichtumes ein armes Gebirgsvolk. Die Bergleute arbeiteten für einen Hungerlohn und wurden selten alt. Wer Landwirtschaft betrieb, mußte gegen die klimatischen Widrigkeiten des Gebirges ankämpfen, verlor oft durch Wetterkatastophen und Kriege sein Hab und Gut oder gar das Leben.

Bis kurz vor 1700 war der Jahresanfang am 6. Januar. Im Erzgebirge nannte man diesen Tag "dor Eborschte" (Der oberste), weil es im Kalender der oberste Tag war.

Silvester im Erzgebirge - Seiffen - Seiffener Kirche Sachsen war protestantisch. Die Zeitrechnung erfolgte nach dem julianischen Kalender. Dieser wurde nach Julius Cäsar benannt, im Jahre 45 vor Christi Geburt eingeführt und entsprach nicht exakt dem astronomischen Jahr. Zu jedem Jahreswechsel gab es einen Überschuß von elf Minuten und vierzehn Sekunden. Aus dieser Abweichung sammelte sich aller 128 Jahre ein ganzer Tag an. In den 1627 Jahren von 45 vor Christi bis 1582 wurden daraus 12,71 Tage.

Papst Gregor XIII. wurde am 1. Januar 1502 geboren. Er legte im Jahre 1582 eine neue Kalenderberechnung fest, welche heute als Gregorianischer Kalender bekannt ist. Um den Kalender erst einmal an das Sonnenjahr anzupassen, ließ man 1582 auf den 4. Oktober sofort den 15. Oktober folgen. Die protestantischen Länder, darunter Sachsen, waren aber nicht bereit, sich an die Festlegungen eines katholischen Papstes zu binden.

Das benachbarte katholische Böhmen stellte aber den Kalender nach den Weisungen des Papstes um. Man kann sich schwer vorstellen, was sich in den 118 Jahren von 1582 - 1700 an der Grenze zwischen Böhmen und dem protestantischen Sachsen abgespielt haben muß. Beim amtlichen Umgang war die Kalendergrenze ein extremes Hemmnis. In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges kamen die Flüchtlinge völlig durcheinander. Die amtlichen Daten zur Geburt, der Taufe und der Hochzeit stimmten mit der sächsischen Kalenderrechnung nicht überein.

Dann wurde im Jahr 1691 der Neujahrstag unter Papst Innozenz XII. vom 6. auf den 1. Januar gelegt.

In Sachsen und einigen anderen protestantischen Ländern mußte die Kalenderumstellung unbedingt realisiert werden. Erst 115 Jahre nach dem Tod von Papst Gregor XIII., im Frühjahr 1700, folgte Sachsen der neuen Kalenderberechnung.

Um den Rückstand der Zeitrechnung auszugleichen, sprang man vom 18. Februar auf den 1. März 1700. So kam es, dass man am 18. Februar abends zu Biere ging, erst am 1. März heimkehrte und trotzdem nur einige Stunden in der Schenke war. (Russland stellte seinen Kalender erst nach der Oktoberrevolution 1917 um).

Hier haben wir erst einmal einen Versuch der Erklärung, woher die vielbeschworenen 12 Tage gekommen sein könnten.
Fakt ist, dass es durch die Kalenderumstellung im Erzgebirge zu einem "Zeitsprung" von 12 Tagen kam.

Um diese 12 Tage, die man bald in die Zeit zwischen Weihnachten und Hochneujahr rechnete, ranken sich bis heute viele Aberglauben, meist mit schlimmen Ausgang. Jeder dieser 12 Tage steht für einen Monat des kommenden Jahres, in welchem das Unglück eintreten soll. Das Waschen von Bettwäsche oder das Zerschlagen von Porzellan soll großes Unglück über den Erzgebirger und seine Angehörigen bringen.


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