Silvester im Erzgebirge: Aberglauben (2)

Auf dieser Seite setzen wir unsere Aufzählung der Mythen und Aberglauben, die mit dem Jahreswechsel im Erzgebirge einhergehen, fort.

Die Karpfenschuppe: Eine große Schuppe des Silvesterkarpfens gehört beim waschechten Erzgebirgler ins Portemonnaie. Nach altem Aberglauben soll sie ihm im neuen Jahr Glück und vor allem Geld bringen.

Der Karpfen-"Knochen" ist in einigen Regionen des Erzgebirges mit dem gleichen Aberglauben wie die Karpfenschuppe belegt.

Die "12 Hohen Tage":

Silvester im Erzgebirge - Skilift Hotel Durch die Differenz zwischen julianischem und gregorianischem Kalender sowie dem früheren Neujahrstag am 6. Januar ergeben sich vom Weihnachtstag am 24. Dezember bis zum Neujahrstag genau 12 "hohe" Tage. Jeder Tag steht für einen Monat des zukünftigen Jahres. (Lesen Sie dazu mehr unter "Geschichtliches".)

Die 12 Hohen Tage werden auch als Unternächte, Rauhnächte, Internächte, Zwischennächte, Innernächte, Lostage usw. bezeichnet. Gemeint ist immer der gleiche Zeitraum, auch wenn die Bezeichnung von Ort zu Ort verschieden ist. Die Unternächte spielen in der erzgebirgischen Mythologie eine überragende Rolle. Eine Reihe von Verboten, Weissagungen und Regeln sind mit diesen 12 Tagen und Nächten verbunden, ohne dass heute jemand begründen kann, warum das so ist.

Da ab Weihnachten der Bergbau ruhte und die Erzgebirger im Mittelalter sehr religiös und abergläubisch waren, fürchtete man sich wahrscheinlich vor der Verschiebung des Datums von Christi Geburt um 12 Tage durch eine Kalenderreform. Möglicherweise kommen dort all jene Aberglauben her - denn nur wenige Mythen, die mit den Unternächten zusammenhängen, verheißen Gutes.

Nach erzgebirgischem Brauch ist es in den Unternächten verboten, Bettwäsche zu waschen oder gar Wäsche aufzuhängen. Der Hausboden darf nicht mit Wäsche zugehängt werden, "damit die Engel in der Silvesternacht tanzen können" (Nach einer Information aus Nassau im Erzgebirge). Sollte dort noch Wäsche aus der Vorweihnachtszeit hängen, so muß diese vor der Silvesternacht unbedingt entfernt werden.

In der westerzgebirgischen Gegend um Annaberg ist es nicht der Dachboden, sondern die Scheunentenne. Sie muß zu Silvester leergefegt sein - aus dem gleichen Grund wie im osterzgebirgischen Nassau.



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